Segensfeiern

In den vergangenen Jahrzehnten haben sich neben den klassischen Kasualien weitere Übergangsrituale entwickelt, die häufig als „neue Kasualien“ bezeichnet werden. Sie begleiten markante Lebensschwellen liturgisch und geben wichtigen Veränderungen im Leben eines Menschen oder einer Gruppe eine religiöse Form. Dabei geht es wie bei Taufe, Konfirmation, Trauung und Bestattung darum, Übergänge nicht nur organisatorisch, sondern auch geistlich zu gestalten.

 

Lebensübergänge

  • Zu den neuen Kasualien gehören zunächst Segensfeiern rund um die Geburt. Bereits vor der Geburt oder kurz danach wünschen viele Eltern, das neue Leben zu würdigen, zu feiern und unter Gottes Segen zu stellen. Zugleich suchen sie Kontakt zu anderen Familien in einer ähnlichen Lebensphase.
  • Weit verbreitet sind auch Einschulungsfeiern. Der Wechsel in die Schule ist für Kinder und Eltern ein sensibler Schritt, der Vorfreude und Unsicherheit zugleich mit sich bringt. Da Kinder und Familien heute religiös sehr unterschiedlich geprägt sind, gewinnen solche Feiern zunehmend auch eine multireligiöse Gestalt. Vergleichbares gilt für Entlassfeiern aus Kindergarten und Schule.
  • Auch der Übergang in den Ruhestand ist ein bedeutsamer Einschnitt. Mit ihm beginnt meist eine Phase größerer Freiheit, aber auch der Neuorientierung. In diese Zeit fällt häufig die Goldkonfirmation, die den biografischen Wandel mit kirchlicher Erinnerung verbindet. Ebenso gehören Umzüge in diesen Bereich neuer Kasualien, weil sie Abschied und Neubeginn zugleich bedeuten.
  • Ein besonders bedeutsamer, wenn auch seltener Anlass ist die Geschlechtsangleichung (Transition). Hier kann eine Segensfeier helfen, einen tiefgreifenden persönlichen Wandel seelsorglich zu begleiten und zugleich die Lebenswirklichkeit von trans*-Menschen stärker ins kirchliche und gesellschaftliche Bewusstsein zu rücken.

 

Diese Feiern sind nicht erschöpfend aufgezählt. Nicht jede Gemeinde wird alle Formen anbieten können, und nicht jeder liturgischen Person wird jeder Anlass gleichermaßen vertraut sein. Gerade deshalb ist es wichtig, dass sich Gemeinden, Kirchenkreise und ökumenische Partner gegenseitig unterstützen. So können neue Kasualien dort entstehen und wachsen, wo sie für Menschen wirklich hilfreich sind.

Dieser Text ist eine Zusammenfassung des Kapitels 3.4 Neue Kasualien des Diskussionspapiers „Du wirst ein Segen sein!“.